Clarkston-Rezension: Eine zärtliche und herzzerreißende Reise der Selbstakzeptanz
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Samuel D. Hunter hat ein Talent, den stillen Schmerz des Alltags einzufangen. *Clarkston* setzt die Themen von Isolation und Gefangenschaft aus seinem orkagroßen Hit *The Whale* fort, der zu dem Oscar-prämierten Film adaptiert wurde, der ihm eine Drehbuchnominierung einbrachte, und konzentriert sich auf zwei junge Männer, die in einer kleinen amerikanischen Stadt festsitzen. Chris (Ruaridh Mollica) ist von Armut gefangen, Jake (Joe Locke) von schlechter Gesundheit. Der Raum, den sie bewohnen, mag größer sein als in The Whale, aber die Erstickung ist ebenso verzehrend.
Auf einer Reise nach Westen, um sich selbst wiederzufinden, findet Jake einen Job in einem ländlichen Costco, wo er Chris trifft, einen müden Nachtschichtarbeiter. Der steife Smalltalk verwandelt sich bald in eine vorsichtige Freundschaft und verwandelt sich dann wieder in etwas Zerbrechlicheres und Suchenderes. Gemeinsam hegen die beiden die Idee, dass das Leben noch Bedeutung haben kann und sie sich irgendwo jenseits der riesigen Behälter mit Käsepuffs und Regalen mit reduzierten Fernsehern wiederfinden.
Jake, ein (entfernter) direkter Nachfahre von William Clark (bekannt durch Lewis und Clark), ist zugleich stolz und belastet mit den Leistungen seines Vorfahren. Der Vergleich nagt an ihm: Dort, wo Clark Entdeckung und Zweck fand, fühlt sich Jake von Krankheit und unerfülltem Versprechen eingeschlossen. "Alles ist schon gefunden", beschwert er sich, frustriert darüber, dass er niemals seine Spuren hinterlassen wird wie seine Vorfahren (oder Voronkel). Er träumt davon, das Meer zu erreichen und dabei der Route seines bereits erwähnten Ur-ur-ur-ur-Ur-Onkels durch Amerika zu folgen. Tief im Inneren vermutet er jedoch, dass er bereits ertrinkt.
Die Inszenierung der Inszenierung mit Bühnenbestuhlung und minimalem Bühnenbild unterstreicht dieses Gefühl von Enge. Jeder Blick wirkt entblößt, jede Stille schwer von Drohung. Das Ergebnis ist eine Atmosphäre, die die Klaustrophobie des Kleinstadtlebens widerspiegelt, in der Träume in Sackgassen prallen und der Horizont immer unendlich weit entfernt erscheint.
Die Darstellungen sind ruhig, nuanciert und tief empfunden. Joe Locke mag der Marketingmagnet sein, aber das Stück lebt von Chemie, nicht von Promi. Er und Mollica schaffen eine Dynamik, die sowohl zärtlich als auch streitsüchtig ist, einen Rhythmus, der das Publikum in ihre gemeinsame Verletzlichkeit zieht. Sophie Melville, die Trisha, Chris' Mutter, spielt, tritt in diese aufgeladene Atmosphäre ein und entfacht sie. Ihr Auftritt ist kurz, aber explosiv – emotional roh, instabil, tief verletzlich und still bedrohlich.
Clarkston ist eine lyrische, herzzerreißende Meditation über Selbstakzeptanz und Überleben. Still, suchend und voller Möglichkeiten, zeigt er, wie selbst an den gewöhnlichsten Orten zwei junge Männer auf etwas Außergewöhnliches stoßen können. Es ist Theater in seiner intimsten Form. Ein stilles Epos darüber, Hoffnung mitten im Nirgendwo zu finden.
[Clarkston](https://www.londontheatredirect.com/play/clarkston-tickets) spielt bis zum 22. November 2025 im [Trafalgar Theatre](https://www.londontheatredirect.com/venue/trafalgar-theatre-london)