Interview-Rezension: Ein spannendes Kat-und-Maus-Spiel

Published on 29 August 2025

SMS, Social-Media-Benachrichtigungen, Telefonate und Sprachnachrichten ertönen auf das weiße Mauerwerk der 'Kat Cave', Katyas modischer Wohnung in New York. Ihre Welt wird von diesen Benachrichtigungen beherrscht und ihr Wert definiert. Sie ragen an den Wänden ihres Hauses über ihr und drängen sich in ihr inneres Heiligtum ein. Wo immer sie ist, sie folgen ihr, und sie muss vorbereitet sein. Schließlich: 'Wenn du die Erzählung verlierst, verlierst du auch den Hebel.'

Interview basiert auf dem niederländischen Film von 2003 und folgt Katya, einer Influencerin, die zur Schauspielerin wurde, und Pierre, einem Kriegsberichterstatter, der zum widerwilligen Unterhaltungsjournalist wurde, während sie sich mit Streit, Verführen und Intrigen auf die Wahrheit (oder zumindest ihre Version davon) hinarbeiten.

Es ist das erste Mal, dass diese Geschichte auf die Bühne gebracht wird, und sie wirkt hier dringlicher als auf der Leinwand. Katyas gesamte Existenz spielt sich bereits als Aufführung ab, sodass es die Grenze zwischen Leben und Theater noch weiter verwischt, wenn sie eine echte Bühne beherrscht. Die 22 Jahre alte Geschichte auf das digitale Zeitalter zu aktualisieren, schärft das Drehbuch auf einen tödlichen Punkt. Als der Film Premiere feierte, war Facebook ein Jahr entfernt, Twitter drei, Instagram sieben. Jetzt kann Katya ihre Follower im Handumdrehen über Instagram Live erreichen. Im Gegensatz zu früher birgt jede Halbwahrheit oder Ausrutscher das Risiko einer sofortigen Entlarvung und Abschaltung.

Robert Sean Leonard und Paten Hughes im Interview bei Riverside Studios

Robert Sean Leonard verleiht Pierre eine graue Müdigkeit. Er hat zu viel von der Welt gesehen, um von Berühmtheit geblendet zu sein, und weist Katya und ihre Welt sofort ab. Er informiert sie schnell, dass "Reichweite nicht gleich Wert ist" und "Breite nicht gleich Verdienst", als sie sagt, sie müsse in etwas gut sein, wenn Millionen von Menschen ihr folgen. Doch unter seinem Zynismus verbirgt sich ein Mann, der von beruflichem und persönlichem Versagen gezeichnet ist. Er verächtet Katyas Welt, aber seine eigene ist zusammengebrochen. Er ist ebenso verzweifelt nach Erlösung wie sie nach Respekt.

Paten Hughes hingegen spielt Katya mit geübter Vielseitigkeit. Sie wird ständig  unterschätzt, aber sie weiß, wie sie das zu ihrem Vorteil nutzen kann. Männer halten ihr Selbstbewusstsein für oberflächlich, aber sie kann sie schneller lesen, als sie die Schlagzeilen über sie überfliegen. Einen Moment gibt sie sarkastische Sprüche ab, im nächsten ist sie fast zu Tränen und offenbart etwas überraschend Aufrichtiges.

Die Spannung zwischen den beiden ist ein ständiges Hin und Her: Räuber und Beute, Interviewer und Interviewter, Wahrheitsvermittler und Erfinder. Der Spaß liegt darin, nicht zu wissen, wer zu einem bestimmten Zeitpunkt wer ist. Ihr Machtspiel ist durchzogen von Verführung, Täuschung und einem stetigen Strom von Enthüllungen. Pierre will ein Exklusivbericht, um sich wieder in die Seiten des ernsthaften Journalismus zu kämpfen. Katya will die Macht haben, ihre eigene Geschichte zu kontrollieren und zu bearbeiten, und als Schauspielerin ernst genommen zu werden, statt als Schlagzeile der Boulevardzeitung. Beide wollen Ehrlichkeit vom anderen, aber keiner wagt es, sie zuerst zu geben.

Als die Confessions live über Katyas Wände gestreamt werden, fragt sich das Publikum nicht nur, wem es glauben soll, sondern wem es glauben will.

Robert Sean Leonard und Paten Hughes sind in einem Wortkampf perfekt ebenbürtig, der das Publikum bis zur letzten Zeile fesselt. Klug, verstörend und fesselnd – es ist eine sehenswerte Darbietung – und das ist die Wahrheit...

Interview läuft bis zum 27. September 2025 in den Riverside Studios