Einst verboten, jetzt zurück: Mrs. Warrens Beruf auf der Bühne wieder
Published on 15 May 2025
Mrs Warren's Profession war das Stück, das sie zu verbergen versuchten! Einst wegen seines skandalösen Themas verboten, kehrt George Bernard Shaws provokantes Stück ins West End zurück – und erinnert uns daran, wie weit die Bühne gekommen ist.

Der Lord Chamberlain, der offizielle britische Theaterzensor, verbot das Stück umgehend und bezeichnete es als unanständig. 1902 fand in London eine private Aufführung statt, doch als versucht wurde, sie öffentlich in New York aufzuführen, wurde die Produktion von der Polizei durchsucht. Das britische Publikum musste bis 1925 warten – 32 Jahre nach seiner Entstehung –, um es auf einer öffentlichen Bühne zu sehen.
Die Zensur von Mrs. Warrens Beruf ist kein Einzelfall. Shaws Stück reihte sich in eine lange Liste dramatischer Werke ein, die das Establishment erschütterten und den Preis dafür zahlten. Henrik Ibsens Geister zum Beispiel behandelte tabuisierte Themen wie Geschlechtskrankheiten, Inzest und Selbstmord – und wurde nach seiner Veröffentlichung 1881 in Großbritannien prompt verboten. Es wurde dort erst Jahrzehnte später aufgeführt und erst nachdem es in ganz Europa Empörung ausgelöst hatte.
Ebenso stieß das Rockmusical Hair auf beiden Seiten des Atlantiks auf Widerstand. Bekannt für Nacktheit, Drogenkonsum und Darstellung der Gegenkultur der 1960er Jahre, wäre Hair in Großbritannien vor 1968 unmöglich zu inszenieren gewesen. Wie im BBC-News-Artikel von 2018 erwähnt, fand das West-End-Debüt des Musicals – mit einer inzwischen berüchtigten Nacktszene – nur wenige Stunden nach der Abschaffung der Zensur durch das Theatres Act statt. Davor wurde sogar eine beiläufige Erwähnung von Walt Whitmans Gedichten in John Osbornes "Personal Enemy" verboten, weil sie angeblich auf Homosexualität angespielt hatte.
Es sind nicht nur Originalstücke, die zensiert wurden – auch mehrere Bühnenadaptionen verbotener Bücher haben für Kontroversen gesorgt. Wer die Nachtigall stört, das häufig in Schulen wegen seiner offenen Darstellung der Rassenbeziehungen verboten ist, ist zu einem kraftvollen Bühnendrama geworden. The Color Purple, basierend auf Alice Walkers Roman, galt einst als unangemessen wegen seiner Darstellung von Sexualität und Spiritualität, steht heute aber als freudige Feier von Gemeinschaft und weiblicher Stärkung. Stephen Kings Carrie, das in einigen US-Bundesstaaten verboten war, wurde zu einem so berüchtigten Musical adaptiert, dass es nach nur fünf Aufführungen eingestellt wurde. Orwells 1984, einst wegen sexueller Inhalte und wahrgenommener Politik verboten, schockierte das Publikum in seiner Bühnenversion. Even One Flew Over the Cuckoo's Nest fordert auch heute noch Normen in immersiven Produktionen heraus.
Jetzt, da Mrs Warren's Profession wieder dort ist, wo es hingehört – im Mittelpunkt – kann das Publikum nicht nur über die bleibenden Themen des Stücks nachdenken, sondern auch über den langen, verschlungenen Weg zur künstlerischen Freiheit. Was einst verboten war, ist heute Teil unseres Theatererbes – und umso mächtiger dadurch.


