Rezension: Oppenheimer hat kein schwaches Glied
Published on 3 April 2015
Nach einer von der Kritik gefeierten Inszenierung im Swan Theatre in Stratford Anfang des Jahres erhält die triumphal inszenierte Inszenierung von Tom Morton-Smiths ambitionierter Geschichte J Robert Oppenheimer – bekannt als der Vater der Atombombe – eine verdiente Versetzung ins West End in die Vaudeville-Theater.
Vor dem Hintergrund des Aufstiegs des Faschismus in Europa erreicht der gleichnamige Wissenschaftler (gespielt von John Heffernan) und seine Kollegen in Kalifornien, dass zwei ihrer deutschen Kollegen große Fortschritte im Bereich der Atomspaltung machen, dem Prozess, der zur Herstellung einer Atombombe erforderlich ist. Es sind Nachrichten, die Oppenheimer dazu zwingen, die treibende Kraft zu werden, um sicherzustellen, dass die USA zuerst dort ankommen.
Theoretische Physik auf die Bühne zu bringen, ist eine gewaltige Herausforderung, aber hier wird sie von Regisseur Angus Jackson hervorragend umgesetzt, dessen effektive Inszenierung, insbesondere die nahtlosen Wechsel zwischen Forschungseinrichtung und gesellschaftlichen Zusammenkünften sowie ein ausgeprägter Sinn für Zeit, alles völlig zugänglich macht.
Oppenheimer ist jedoch ein Stück, das sowohl in seinem Umfang als auch in seiner Länge episch ist – eine Besetzung von zwanzig Personen und eine Laufzeit von drei Stunden – aber dass es dennoch eine Intimität bewahrt, ist nicht zuletzt einer fesselnden zentralen Darstellung von Heffernan zu verdanken, die ihn vollkommen menschlich macht. Er ist ein Mann, der vom Ego getrieben wird, aber von den Frauen in seinem Leben, einer zerstrittenen Beziehung zu seinem Kollegen Frank, einem Kollegen Frank (ein provokanter Michael Grady-Hall), und einer anhaltenden Spannung mit den militärischen Führungskräften, die seine Arbeit finanzieren, trotz ihres anhaltenden Verdachts gegenüber seinen kommunistischen Sympathien. Während die Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki sich immer näher rücken, wachsen die persönlichen Spannungen.
Das Ensemble sprüht vor Energie und hat keine Schwachstelle. Besonders bemerkenswerte Darstellungen kommen jedoch von Thomasin Rand als Oppenheimers Frau Kitty, William Gaminara als Oberst der Armee, der die Operation leitet ("wir töten keine Japaner, wir retten amerikanische Leben") sowie Tom McCall und Ben Allen als Kollegen Hans Bethe und Edward Teller.
Die Geschichte berichtet, dass Oppenheimers Werk erfolgreich eine furchterregende Waffe erschaffen konnte, aber ob es das Instrument des Friedens war, auf das er hoffte, ist eine Frage, über die sowohl Oppenheimer als auch das Publikum nachdenken müssen.
